Klimamobilitäts­pläne

Seit 2021 begleitet das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg (VM) in einer Pilotphase sechs Kommunen (Landkreis Ludwigsburg, Gemeindeverband Mittleres Schussental, Stadt Heidelberg, Stadt Freiburg im Breisgau, Stadt Offenburg, Stadt Stuttgart) bei der modellhaften Erstellung eines Klimamobilitätsplans. In der Pilotphase sind gute Ergebnisse zu verzeichnen, so wurden unter anderem die ersten drei Klimamobilitätspläne im Jahr 2023 fertig gestellt und politisch beschlossen. Auch über die Pilotphase hinaus findet das Instrument Anklang. Landesweit erarbeiten immer mehr Kommunen einen Klimamobilitätsplan. Derzeit befinden sich in Baden-Württemberg über 15 Klimamobilitätspläne in der Bearbeitungs- oder Umsetzungsphase (Stand März 2024). Die Erkenntnisse aus der Pilotphase fließen in einen Leitfaden zur Erstellung von Klimamobilitätsplänen und die Weiterentwicklung des Instruments ein. Der Leitfaden befindet sich in der Erstellung.

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Häufig gestellte Fragen

Akkordeon Inhalt

Klimamobilitätspläne sind ein Instrument zur integrierten, klimaschutzorientierten Verkehrsplanung für Kommunen in Baden-Württemberg. Das bedeutet, dass alle kommunal relevanten Verkehrsmittel (Fußverkehr, Radverkehr und andere Formen aktiver Mobilität, Kfz-Verkehr und ÖPNV) zusammen gedacht werden. Der kommunale Verkehr wird entsprechend der Klimaschutzziele des Landes geplant, um eine dauerhafte und signifikante Reduktion der CO2-Emissionen zu erreichen.

Die Klimamobilitätspläne werden auf kommunaler Ebene in Anlehnung an das Konzept der nachhaltigen urbanen Mobilitätsplanung (Sustainable Urban Mobility Planning, SUMP*) der Europäischen Kommission entwickelt. Dabei werden nach Möglichkeit alle relevanten Interessensgruppen aus der Zivilbevölkerung sowie Bürger:innen mit in den Planungsprozess einbezogen. Das Ziel: eine nachhaltige und gut funktionierende Verkehrsrealität für alle Beteiligten zu schaffen. Durch die Entwicklung effektiver Maßnahmenpakete können Kommunen so einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten und gleichzeitig für mehr Lebensqualität vor Ort sorgen. Eine weitere Grundlage für die Entwicklung eines Klimamobilitätsplans kann der Verkehrsentwicklungsplan (VEP) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) sein.

* Sustainable Urban Mobility Plans, kurz SUMP, sind das Konzept der Europäischen Kommission zur nachhaltigen, urbanen Mobilitätsplanung. Der Erstellungsprozess eines Klimamobilitätsplans orientiert sich stark am SUMP-Zyklus und die acht SUMP-Prinzipien gelten auch für die Erstellung eines Klimamobilitätsplans.

Ziel eines Klimamobilitätsplans ist die Entwicklung effektiver Maßnahmen (-pakete), um die lokalen Verkehrsemissionen dauerhaft zu reduzieren. Damit das funktioniert, muss der Plan folgende Bestandteile enthalten:

    • Ausrichtung auf das Ziel einer Reduktion verkehrlicher CO2-Emissionen um 55 Prozent bis 2030 gegenüber 2010 bzw. um 77,5 Prozent bis 2035 gegenüber 2010
    • ganzheitliche, datenbasierte Betrachtung aller Verkehrsträger
      (u.a. Status quo-Analyse, multimodales Verkehrsmodell)
    • Bewertung der Maßnahmen anhand deren Effektivität
    • konkrete Umsetzungsplanung
    • Monitoring und Fortschreibungsprozess
    • Beteiligung der Öffentlichkeit und relevanter Akteure

Es gibt viele Gründe dafür, einen Klimamobilitätsplan zu erstellen. Hier einige der wichtigsten:

    1. Integrierte Maßnahmenentwicklung: Indem die Entwicklung der verschiedenen Verkehrsmittel gleichzeitig anstatt voneinander getrennt geplant wird, können Wechselwirkungen zwischen den Verkehrsmitteln besser berücksichtigt und Mobilitätsangebote gezielter entwickelt werden. Außerdem verstärkt die Kombination von Push- und Pull-Maßnahmen die Effektivität der Maßnahmen hinsichtlich dem Klimaschutz. So leistet der Klimamobilitätsplan einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz in Ihrer Kommune.
    2. Breite Unterstützung der Planungen durch Einbezug von Bevölkerung, Interessensgruppen und Politik vor Ort: Die Menschen vor Ort werden im Erstellungsprozess des Klimamobilitätsplans durch ein begleitendes Beteiligungskonzept von Anfang an intensiv beteiligt und informiert. Mit der Einbindung der lokalen Expertise erkennen Sie Probleme und Lösungen rechtzeitig und schaffen außerdem allseits mehr Akzeptanz.
    3. Datenbasierter Planungsansatz: Durch die genaue Untersuchung des Ist-Zustandes zu Beginn des Planungsprozesses gewinnt die Kommunalverwaltung einen guten Überblick über die Verkehrssituation vor Ort. Dank der Analyse bestehender Planwerke, Strategien und Daten werden Potenziale und Veränderungsbedarfe sofort sichtbar. Der Klimamobilitätsplan kann dabei auf vorhandenes Wissen aufbauen.
    4. Wirksamere Investitionen durch Betrachtung aller Verkehrsmittel und Verkehrsmodellierung: Die gleichzeitige Betrachtung aller Verkehrsmittel ermöglicht es, finanzielle und zeitliche Ressourcen zielorientiert und deutlich effizienter einzusetzen. 
    5. Versachlichung von Diskussionen um die Klimawirkung verkehrlicher Maßnahmen durch Wirkungsberechnung: Durch die Ergebnisse der Verkehrsmodellierung wird sichtbar, wie viel CO2 mit bestimmten Maßnahmenkombinationen in der Kommune eingespart werden kann. Verkehrliche Maßnahmen können so leichter gegenüber Politik, Interessengruppen sowie Bürger:innen begründet werden. 
    6. Verbesserung der Luftqualität, der Verkehrssicherheit und des Lärmschutzes: Da ein Klimamobilitätsplan durch Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung für weniger Verkehr und reduzierte Emissionen sorgt, verbessert sich durch die Umsetzung entsprechend die Luftqualität vor Ort. Weniger motorisierter Individualverkehr bedeutet außerdem weniger Verkehrslärm. Durch gezielte Verbesserungen der Streckenführungen z.B. des Rad- und Fußverkehrs wirkt sich ein Klimamobilitätsplan daneben positiv auf die Verkehrssicherheit aus. 
    7. Mehr Effekt durch Zusammenarbeit mit dem Umland: Häufig sind es (Pendel-)Wege über die Gemarkungsgrenzen einzelner Kommunen hinweg, die besonders viel CO2 verursachen. Diese Emissionen kann eine Kommune allein nicht effektiv verringern. Ihren Klimamobilitätsplan erstellen Sie daher im Idealfall gemeinsam mit Kommunen in räumlicher Nähe, zu denen die wichtigsten Verkehrsverflechtungen bestehen.
    8. Planungen am Puls der Zeit durch Monitoring und kreislaufförmige Planfortschreibung: Wurden einmal alle Phasen der Planerstellung durchlaufen, wird der Klimamobilitätsplan durch ein zielorientiertes Monitoringkonzept zur Erfolgskontrolle stets auf dem neusten Stand gehalten: Da der Prozess zirkulär angelegt ist, kann der Klimamobilitätsplan immer wieder an die gegenwärtige Situation angepasst werden.
    9. Attraktive Förderung und Klimabonus: Das Land Baden-Württemberg stellt mit der Förderung qualifizierter Fachkonzepte und dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) attraktive finanzielle Fördermöglichkeiten sowohl für die Planerstellung, als auch die Umsetzung der Maßnahmen aus Klimamobilitätsplänen bereit. Unter bestimmten Voraussetzungen werden die Maßnahmen des Klimamobilitätsplans sogar mit einer höheren Förderquote („Klimabonus“) belohnt.

Ein Sustainable Urban Mobility Plan, kurz SUMP, ist ein Konzept der Europäischen Kommission zur nachhaltigen, urbanen Mobilitätsplanung. Das Konzept bildet die Grundlage für das baden-württembergische Instrument des Klimamobilitätsplans, dessen Erstellungsprozess sich am Erstellungszyklus des SUMP sowie den entsprechenden Prinzipien orientiert. Mit beiden Planwerken wird der Verkehr vor Ort strategisch und verkehrmittelübergreifend geplant, d. h. Fuß- und Radverkehr, öffentlicher Verkehr und motorisierter Individualverkehr werden gemeinsam gedacht. Klimamobilitätspläne unterscheiden sich von SUMPs vor allem in ihrem zentralen Fokus auf den Klimaschutz und der quantitativen Wirkungsermittlung von Maßnahmen mit einem Verkehrsmodell.  

Ein Verkehrsentwicklungsplan, kurz VEP, ist ein Instrument zur langfristigen integrierten Verkehrsplanung. Neben dem europäischen SUMP bildet er eine Grundlage für die Entwicklung des Instruments Klimamobilitätsplan. Die Prozessstruktur und Zielsetzung von VEP und Klimamobilitätsplan sind sich sehr ähnlich. Außerdem kommt in beiden Planwerken der Beteiligung der lokalen Öffentlichkeit und relevanter Stakeholder eine große Bedeutung zu. Gleich der Erstellung eines VEPs ist die Erstellung eines Klimamobilitätsplans freiwillig. Ein wichtiger Unterschied besteht in der Modellierung. Im Klimamobilitätsplan müssen alle Verkehrsmittel im Modell abgebildet und Verlagerungseffekte berechnet werden. Im VEP besteht keine Pflicht zur Modellierung verschiedener Verkehrsmittel, oft wird einzig der motorisierte Individualverkehr abgebildet. Außerdem ist im Unterschied zum Klimamobilitätsplan in einem VEP die Abbildung von Klimaschutzaspekten optional.

Ein Nahverkehrsplan, kurz NVP, ist ein von Städten und Landkreisen erstellter Planwerk mit dem Ziel, die Versorgung einer Region mit einem System des öffentlichen Nahverkehrs sicherzustellen. Beim NVP handelt es sich um eine Pflichtaufgabe von Kommunen im Sinne der Daseinsvorsorge. Er behandelt vorwiegend die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs, ohne alternative Verkehrsmittel gleichwertig zu berücksichtigen. Demnach ist der Nahverkehrsplan weniger umfassend und ganzheitlich als der Klimamobilitätsplan. Weiterhin besteht beim NVP keine Verpflichtung zur Modellierung des Gesamtverkehrs zur Berechnung von Verlagerungseffekten auf andere Verkehrsmittel. Beim Klimamobilitätsplan ist diese Modellierung dagegen Pflicht. Auch finden im NVP im Gegensatz zum Klimamobilitätsplan Klimaschutzaspekte üblicherweise keine Berücksichtigung.

Die Erfahrungen der Pilotphase sind in den Antworten berücksichtigt. Alle Fragen finden Sie sie mit einem Klick auf einer extra Seite nur für FAQs. 

Hören statt Lesen? - Den Klimamobilitätsplan als Podcast

In Folge 3 von „Verkehrswende. Einfach. Machen.“ erklärt zunächst Veronika Häuber vom Kompetenznetz Klima Mobil, wer einen solchen Plan erstellen kann und wie das geht.

Der Podcast „Verkehrswende. Einfach. Machen.“ der KEA-BW ist auf Podcast-Plattformen verfügbar.

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